Heilsame Beziehungen für belastete Kinder

Schreibende Hand
18.02.2020 | Kind, Jugend & Familie

Heilsame Beziehungen für belastete Kinder

Silvia Kopeinig und Gabriele Hadler, die Teamleitungen vom „Haus Herrnhilf“, einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe in Treffen, erzählen aus ihrem Alltag.

 Silvia Kopeinig, Gabriele Hadler, Teamleitungen Haus Herrnhilf

„Es gibt Verletzungen und Narben, die bleiben werden, aber wir unterstützen die Kinder und Jugendlichen dabei, neue positive Erfahrungen zu machen“, erklärt Gabriele Hadler. „Bei uns leben Kinder und Jugendliche mit seelischen Verletzungen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden und nicht bei ihren Familien aufwachsen können. Ihnen wird gezeigt, dass es Bindungen gibt, die (aus)halten, egal wie sie sich verhalten. Das bedeutet, dass wir ein heilsames Beziehungsangebot in unserem Wohngemeinschaften schaffen, indem wir eine fördernde Alltagsstruktur bieten. Die Kinder und Jugendlichen sollen wieder Vertrauen aufbauen können, ihre eigenen Fähigkeiten wieder kennenlernen und das alles in einer Struktur, die Orientierung und Sicherheit gibt.“ Ihre Kollegin Silvia Kopeinig stimmt zu: „Wichtig ist auch, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse erkennen und erspüren, sowie diese aussprechen und dafür eintreten können. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen den Kindern und Jugendlichen, dass sie verlässlich für sie da sind und dass sie angenommen sind.“

Um die Kinder bedürfnis- und ressourcenorientiert betreuen zu können, braucht es – neben der wichtigen Alltagsstruktur – weitere therapeutische Angebote wie z. B. Psychotherapie, Traumatherapie oder Angebote im Rahmen der Erlebnispädagogik. „Was noch wichtig ist, vor allem für die Kleinen, sind Rituale wie beispielsweise bei der Abendgestaltung. Sie geben Stabilität und Sicherheit“, ergänzt Gabriele Hadler.

Stabile Bindungsarbeit ist auch ein Schlüssel zur Regulierung von Suchtverhalten. „Viele Kinder und Jugendliche ersetzen eine fehlende Bindung durch eine Sucht. Sie haben ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit und brauchen etwas zur Spannungsregulierung. Manche denken, sie können ihre Sorgen mit Alkohol ‚betäuben‘, bei anderen zeigt sich ein Suchtverhalten beim Essen oder im Medienkonsum“, so Silvia Kopeinig.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern, soweit möglich, ist auch besonders wichtig. „Und das nicht nur für die Eltern, sondern vor allem auch für die Kinder“, erklärt Gabriele Hadler. „Elternarbeit entlastet das Kind, weil es weiß, dass auch versucht wird, die Eltern miteinzubinden. Der Spruch ‚ohne Herkunft keine Zukunft‘ ist für uns handlungsleitend und auch für die Eltern gilt die ‚Annahme des guten Grundes‘. Das ist unsere Haltung und es bedeutet, dass wir ihnen, wie auch den Kindern und Jugendlichen, wertschätzend gegenübertreten, weil wir immer von einem Grund ausgehen, warum sie sich in dieser oder jener Situation so verhalten haben oder nicht anders verhalten können.“

Was es braucht, sind passgenaue und ausdifferenzierte Hilfen, sind sich beide abschließend einig: „Und selbstverständlich braucht es gut ausbildete, reflektierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei ihrer Arbeit unterstützt werden, in einer Umgebung, wo ein Austausch stattfindet und wo Supervision, bei Bedarf Einzelsupervision, kollegiale Beratung und regelmäßige Weiterbildung Standard ist. So können sie mit schwierigen und herausfordernden Situationen umgehen. Das immer unter der bereits erwähnten ‚Annahme des guten Grundes‘ und mit dem Wissen, dass beispielsweise Ablehnung oder Aggression, die die Kinder und Jugendlichen ihnen entgegenbringen, nichts gegen die eigene Person ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen das … und die Kinder und Jugendlichen verstehen das oft erst später in ihrem Leben.“


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