Zwischen Bildhauern, Malern und Dichtern

Schreibende Hand
23.09.2019 | Job des Monats, Menschen mit Behinderungen

Zwischen Bildhauern, Malern und Dichtern

Wie es ist, Künstlerinnen und Künstler zu begleiten, erzählt Jonas Seebacher, der als Diplomsozialbetreuer/Behindertenbegleitung im Atelier de La Tour arbeitet.

Jonas Seebacher mit Harald Rath

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am meisten?
Ich mag es, kreativ und selbständig zu arbeiten. Den Menschen, die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit vermitteln zu können, um ihre Beschäftigung in eine für sie als sinnerfüllt erlebbare Arbeit umzuwandeln.

Was ist das Schwierigste an Ihrem Job?
Das Arbeiten mit Künstler/-innen im Atelier ist ein sensibles Thema. Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass keine Einflussnahme auf das Kunstwerk stattfindet. Dennoch ist es der Betreuer, der oftmals eine von außen herangetragene Anfrage oder ein Thema mit dem Künstler bespricht. Wird dieser zu sehr beeinflusst, wird die Ursprünglichkeit des Werkes teilweise vom Künstler auf dessen Bezugsperson verlagert. Der Künstler in Assistenz kann sich mit seinem Werk nicht mehr identifizieren, ist verunsichert und kann seinen eigenen Weg nicht finden. Es sollte also bei der fürsorglichen, animierenden und motivierenden Kommunikation bleiben. Ziel seitens der Begleitpersonen ist es, den künstlerisch Schaffenden die Möglichkeit zu bieten, Ideen selbstständig und eigenständig umzusetzen.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus?
Assistenznehmer und Assistenznehmerinnen die im Atelier de La Tour arbeiten, werden den ganzen Tag über betreut. Es beginnt der Tag mit einer Morgenrunde in der jeder die Möglichkeit hat, sich zu äußern oder sich eine Information einzuholen.  Arbeitsprozesse  mit einzelnen Personen werden durchbesprochen. Es ist wichtig als Assistenzgeber zu verstehen, das Umfeld der Werkstätte den Bedürfnissen der Kunstschaffenden anzupassen wie z.B. räumliche Trennung, Arbeitsplatzgestaltung, spezielle Hilfsmittel, Berücksichtigung von Gewohnheiten, usw.

Warum haben Sie sich für die Diakonie de La Tour entschieden?
Ich kann nicht behaupten, dass meine Weichen jemals in Richtung Sozialberuf gestellt wären. Auf Grund eines Zeitungsinserates habe ich mich im Jahre 1996 in der Kunstwerkstatt de La Tour als Mitarbeiter beworben. Gesucht wurde eine Person mit künstlerischer und kreativer Ader. Eine pädagogische Ausbildung war zu diesem Zeitpunkt nicht gefordert. Ich fühlte mich angesprochen und wurde tatsächlich eingestellt. Bis heute habe ich meine Entscheidung, im sozialen Bereich zu arbeiten, noch nie bereut.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es in der Diakonie de La Tour mit Ihrer Ausbildung?
Ich hatte die Chance bekommen, in der Diakonie einen zweiten Berufsweg in meinem Leben einzuschlagen. Den pädagogischen Background holte ich mir in der SOB- Schule für Sozialbetreuungsberufe in Waiern und schloss die Ausbildung damals, als „Diplomierter Behindertenpädagoge“ (heute Diplomsozialbetreuer Behindertenbegleitung) ab. Zwischenzeitlich kommen noch viele Kunstvorträge und Fortbildungen dazu. Weiters machte ich die jeweils mehrjährigen Ausbildungen  zum „ Instruktor für Behindertensport“ bei der Bundessportakademie und den „Diplomierten Erlebnispädagogen“ beim Alpenverein. Kunst und Sport lassen sich gut vereinen und für diese Bereiche bin ich als Diplomierte Fachkraft in der Diakonie eingestellt.


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