Annehmen, zuhören, begleiten

Schreibende Hand
25.03.2020 | Seelsorge

Annehmen, zuhören, begleiten

Den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit zu sehen, sein körperliches und sein seelisches Wohlbefinden gleichermaßen in den Mittelpunkt zu stellen – das wird in der Diakonie de La Tour bewusst gelebt. Deshalb nehmen Spiritualität und Glaube auch in den Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Menschen im Alter einen wichtigen Stellenwert ein. Von Anfang an gehörten Verkündigung und Seelsorge zu den zentralen Aufgaben im diakonischen Alltag. Heute sind es die Pastoralen Dienste, die für Seelsorge, spirituelle Begleitung, Gottesdienste und Rituale des Lebens da sind.

„Für unsere Bewohnerinnen und Bewohner sind die Pastoralen Dienste eine Bereicherung“, sagt Maria Stückler, Pflegedienstleitung Haus Elvine, „viele warten schon immer auf die Besuche von Alfred Schnitzer.“ Diakon Alfred Schnitzer ist es wichtig, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern im Gespräch zu bleiben. „Der Wunsch nach einem gemeinsamen Gebet gehört da auch manchmal dazu“, sagt er, „in erster Linie geht es darum, für die Menschen da zu sein, Zeit zu haben und ihre Gefühle – sei es beispielsweise Schmerz, Trauer oder Freude – wahrzunehmen.“ Pfarrer Lukas Wagner, Leitung Pastorale Dienste und Ehrenamt, ergänzt: „Wir achten das religiöse Bedürfnis der Bewohnerinnen und Bewohner. Für viele sind z. B. die Gottesdienste ein Stück ‚Heimat‘ weil sie in ihrer Kindheit und viele Jahre lang jeden Sonntag mit der Familie in die Kirche gegangen sind. Das ist ihre Herkunft und jetzt im Haus Elvine sehnen sie sich nach Dingen, die ihnen vertraut sind. Mit unseren Andachtsräumen, die wir in allen Wohn- und Pflegeeinrichtungen haben, ist die ‚Kirche im Haus‘.“

„Das Kreuz in der Kapelle, nur als feine Lichtlinie im großen Glasbild erkennbar, kann zum Koordinatensystem werden: es zeigt mir, wo oben und unten ist.“
Pfarrer Mag. Lukas Wagner Leitung Pastorale Dienste, Ehrenamt

Für viele Bewohnerinnen und Bewohner ist ihr Glaube und ihre Religion Teil ihres Lebens und hat somit eine wichtige Bedeutung. „Natürlich ist das nicht bei allen so“, sagt Schnitzer, „viele waren und sind nicht kirchlich, freuen sich aber, wenn ich komme, weil sie einfach gerne mit mir reden. Manchmal gab es Situationen, in denen wir dann trotzdem gemeinsam ein Gebet gesprochen haben. Ein Bewohner hat einmal zu mir gesagt: ‚Das hat mir jetzt gut getan und war mir wichtig, obwohl ich sonst nicht so bin‘.“
„Unsere Bewohnerinnen und Bewohner schätzen das offene Gespräch mit Alfred Schnitzer“, so Stückler, „er hat Zeit für sie und sie können ihm von ihrem Leben erzählen. Über belastende und belastete Lebensgeschichten konnten manche erst jetzt reden, weil schon viel Zeit vergangen ist und weil sie wissen, dass alles, was sie erzählen, vertraulich behandelt wird.“

„Die Seelsorge ist aus unserem Haus nicht wegzudenken.“
Maria Stückler, BA, Pflegedienstleitung Haus Elvine

„In unserer oft so schnelllebigen und leistungsorientierten Zeit bieten wir eine Lebens- und Entscheidungshilfe, um das Wesentliche im Moment wieder zu sehen“, sagt Alfred Schnitzer. „Das stimmt“, so Lukas Wagner, „für viele ist das etwas Tröstliches und Wertvolles.“

Respektvoll. Miteinander.

In den acht Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Menschen im Alter der Diakonie de La Tour wird ein würdevolles Miteinander mit gegenseitiger Wertschätzung gelebt. „Natürlich ist es oft so, dass Bewohnerinnen und Bewohner bei uns im Haus sterben“, erzählt Maria Stückler, „und hier spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit – Pflegeteam, Psychooginnen, Hospiz und Pastorale Dienste – eine wichtige Rolle.“ „Wenn jemand stirbt, ist das ein belastender Moment für alle. Wir sind ein Netzwerk, wo wir uns gegenseitig unterstützen können“, so Schnitzer.

„Die Aussegnung ist eine Tradition, um sich beim Verstorbenen zu verabschieden“, erzählt Wagner, „sowohl für die Angehörigen, als auch für das Pflegeteam und die anderen Bewohnerinnen und Bewohner.“ Bei der Aussegnung wird das Leben des Verstorbenen gewürdigt und sozusagen ein Koffer voller Erinnerungen nochmals geöffnet. „Es ist ein ehrlicher Akt, geordnet aber lebendig“, sagt Schnitzer, „Trauer und Erleichterung liegen oft eng beieinander. Vor allem, wenn man den Angehörigen lange Zeit hat leiden sehen und dann sieht, dass er jetzt keine Schmerzen mehr hat. Eine Aussegnung hat eine ganz eigene Stimmung. Angehörige erzählen vom Leben des Verstorbenen und gemeinsamen Erlebnissen. Andere sagen einfach nur ‚Danke‘ oder finden versöhnliche Worte. Manchmal werden auch lustige Geschichten erzählt, die selbst in einem so traurige Moment passen und viele schmunzeln lassen.“

„Die Aussegnung eröffnet Angehörigen, Mitbewohnern und Mitarbeitenden einen Raum, um sich von der verstorbenen Person zu verabschieden“
Diakon Alfred Schnitzer Pastorale Dienste, Treffen

Diese Aussegnung ist oft der letzte Akt im Leben eines Menschen. „Die Angehörigen kommen festlich angezogen, weil es manchmal danach keine Beerdigung mehr gibt“, so Stückler. „Früher war der Tod noch Teil des (Dorf-)Lebens“, sagt Alfred Schnitzer, „Angehörige, Freunde und Nachbarn sind gekommen, um sich zu verabschieden, die Parte wurde verteilt und es gab eine festliche Beerdigung. Heutzutage gibt es immer mehr private, kleinere Beerdigungen, manchmal gar keine mehr – oft aus finanziellen Gründen oder weil es keine lebenden Angehörigen mehr gibt.“ „Auch für die anderen Bewohnerinnen und Bewohner ist eine Aussegnung sehr wichtig“, sagt Maria Stückler, „erstens, weil sie sich von dem Verstorbenen verabschieden können und zweitens, weil sie sehen, wie respektvoll mit ihnen umgegangen wird, wenn sie einmal sterben. Sie sehen, dass sie von Menschen, die sie gern haben, ein letztes Mal berührt werden und dass es die Möglichkeit für die Angehörigen gibt, das zu sagen, was wichtig war und in diesem Moment der Verabschiedung noch wichtig ist.“

 


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