Presseinformationen der Diakonie de La Tour

Presse: Ein Feld voller Getreideähren mit vereinzelt lila Blumen

Villach/Klagenfurt, 21.11.2018: Ein Jahr ist vergangen, seitdem 30 Teilnehmer/-innen des Projekts „TourIK – Tourismus und Integration in Kärnten“ am Tourismus WissensLabor Warmbad Villach (TW LAB) eine facheinschlägige Vorqualifizierung begonnen haben. Die Gruppe, welche aus jungen Asylwerbern/-innen und asylrechtlich positiv beschiedenen Personen besteht, feierte diese Woche ihren Abschluss und kann auf ein Jahr voller Theorie und Praxis zurückblicken.

TourIK ist ein größtenteils vom Wirtschaftsministerium finanziertes Pilotprojekt und eine Kooperation des Erwachsenenbildungsvereins TW LAB Warmbad Villach, der FH Kärnten sowie der Diakonie de La Tour. Es zielt darauf ab, junge motivierte Flüchtlinge in Gastronomielehrstellen am 1. Arbeitsmarkt in Kärnten zu vermitteln. Hierfür konnten potentielle Lehrlinge aus Afghanistan, Syrien, dem Iran und Irak seit November 2017 im Unterricht sowohl fachspezifische Deutschkenntnisse, als auch praktische Arbeitserfahrung in Service und Küche sammeln und wurden dabei durch die sozialpädagogische Betreuung der Diakonie de la Tour begleitet. Um diese „Vorlehre“ so realitätsnah wie möglich zu gestalten, umfasste diese auch zwei Praxisphasen in den Bereichen Küche oder Service in heimischen Betrieben, wobei die Auszubildenden sogar den hohen Anforderungen der gehobenen Hotellerie und Gastronomie gerecht werden konnten. Hieraus entstanden bereits früher als geplant sechs Lehrverhältnisse sowie ein reguläres Arbeitsverhältnis, die allesamt sehr erfolgreich verlaufen. Rund um den Jahreswechsel sind vier weitere Lehreintritte geplant.

„Das Projekt TourIK ist ein Leuchtturmprojekt für gelungene Integration von geflüchteten Menschen, weil es gleich zwei Herausforderungen unserer Zeit zu lösen vermag: einerseits den Fachkräftemangel in der Tourismus-Branche und andererseits die Einbindung geflüchteter Menschen in den österreichischen Arbeitsmarkt und die Zivilgesellschaft“, sagt Pfarrer Mag. Dr. Hubert Stotter, Rektor der Diakonie de La Tour.

Ausbildung trotz Widrigkeiten 

Vorgesehen war die Vermittlung der Lehrlinge mit Abschluss der Vorqualifizierung ab 20. November dieses Jahres. Seit 12. September 2018 dürfen Asylwerber jedoch auch in Mangelberufen keine Lehre mehr beginnen und so müssen zehn der verbleibenden TeilnehmerInnen nun zuerst einen positiven Asylentscheid abwarten, um eine sinnhafte Perspektive am Arbeitsmarkt zu haben. Für viele Betriebe, welche sich im Zuge der Praxisphasen bereits für eine/n Auszubildende/n entschieden hatten, ergeben sich durch diese plötzliche Änderung Unsicherheiten in der Lehrstellenplanung; Ausbildungsplätze bleiben somit oftmals weiterhin ohne passende Bewerber/innen.

In der Zeit bis zur Asylentscheidung sollen die gut ausgebildeten jungen Menschen nicht untätig bleiben müssen: das Projektteam plant auch nach Abschluss der „Vorlehre“ die Organisation von individueller Nachhilfe in bestimmten Fächern als zusätzliche Vorbereitung auf die Berufsschule. Die sozialpädagogische Betreuung und Arbeitsmarktvermittlung – für alle die dürfen – soll bis zum Projekteende am 31. Juli 2019 fortgesetzt werden.

Die Betreuung durch die Diakonie de La Tour umfasst mehrere Bereiche und reicht von einer niederschwelligen fremdenrechtlichen Beratung über Leistungen der sozialen Arbeit bis hin zur Krisenintervention. Für diese Betreuung wird mit den Lehrbetrieben ein Vertrag geschlossen und pro vermitteltem Lehrverhältnis ein Kooperations- und Patenschaftsbeitrag von 2.200,- Euro von den ausbildenden Partnerbetrieben geleistet, um einen Teil der Eigenmittel des Projektes aufzustellen; die restliche Finanzierung der Betreuung durch die Diakonie erfolgt auf Spendenbasis. 

Erfahrungen der Partnerbetriebe

„Rahmatullah hat uns heuer die Saison gerettet. Ohne seine Hilfe im Service hätte ich die volle Terrasse nicht bewältigen können“, sagt Katrin Liesenfeld von der Art Lodge in Verditz. Die Art Lodge ist einer von vielen interessierten Partnerbetrieben, die im Sommer einen TourIK-Praktikanten aufgenommen haben. Aber nicht nur das; nach mehreren Jahren ohne Lehrling möchten Katrin und Dirk Liesenfeld in diesem Jahr wieder einen Lehrling ausbilden. „Rahmatullah ist motiviert und zuverlässig, er denkt mit und ist eine große Erleichterung in unserem Betrieb – dieses Verhältnis möchten wir gerne aufrechterhalten.“

„Wir schätzen Mohammad als fröhlichen, hilfsbereiten und lernwilligen jungen Mann. Er ist dank seiner Kultur eine Bereicherung für unser Team“, so Frau Eva Schusser von der Sonnalm in Bad Kleinkirchheim über ihren Kochlehrling aus Afghanistan. Aus dem Hotel Carinthia in Velden erklärte sich Herr Max Egger im Frühjahr bereit, einem der Teilnehmer ein Praktikum zu ermöglichen. Seit Juli absolviert dieser nun bereits eine Lehre als Koch. „Herr S. ist mittlerweile in unserem Küchenbetrieb voll integriert und macht bereits selbständig Salate und Nachspeisen. Wenn er in Österreich bleiben darf, dann wird er die Lehre bestens abschließen, ein herausragender Koch und eine Bereicherung für unsere Gesellschaft werden.“

Frau Karner vom Hotel Karnerhof sagt über ihren Lehrling, der seit Juli als Restaurantfachmann ausgebildet wird: „Er hat vom ersten Tag an bei der Arbeit vollen Einsatz gezeigt. Er hat ein außerordentlich freundliches Wesen, bringt sich im Team ein, arbeitet selbstständig und ist stets daran interessiert, sich neues Fachwissen anzueignen.“

Auch die Naturel Hotels & Resorts GmbH am Faaker See war von Anfang an angetan von der Projektidee und schätzt die Zusammenarbeit mit der sozialpädagogischen Betreuung der Diakonie de La Tour sehr. Seit Sommer dieses Jahres ergänzt ein TourIK Teilnehmer das Service Team des Betriebs und laut F&B Manager Dominik Tiefenbacher habe dieser selten „einen so bemühten und freundlichen Auszubildenden gesehen“.

Projektbeschreibung

Das Projekt „TourIK – Tourismus & Integration in Kärnten“ ist eine arbeitsmarktpolitische Lehrlingsmaßnahme für 30 geflüchtete Menschen, welche unabhängig von ihrem Asylstatus für Mangelberufe im Kärntner Tourismus (Gastronomie und Hotellerie) vorqualifiziert und anschließend auf entsprechende Lehrstellen vermittelt werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer absolvieren eine einjährige Vorlehre (Schwerpunkt auf  Fach- und Deutschkenntnissen/Berufsschulreife) an der Fachberufsschule Tourismus in Villach-Warmbad, um anschließend in einem Partnerbetrieb ihre reguläre Lehrausbildung fortsetzen zu können. Das Projekt spricht Integrationsthematiken via positiver Identifikation und Perspektivenbildung an und versucht zeitgleich, Teil der Antwort auf den Fachkräftemangel und strukturelle Herausforderungen zu sein.

TourIK wurde auf Initiative des Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds (KWF) und der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank GmbH (ÖHT) in enger partnerschaftlicher Kooperation mit der Diakonie de La Tour und dem Verein Tourismus WissensLabor an der Fachberufsschule für Tourismus in Warmbad Villach ausgearbeitet und findet schwerpunktmäßig in der Region Villach bzw. im Kärntner Zentralraum statt. Die Fachhochschule Kärnten stellt die wissenschaftliche Begleitung des Projekts. Die Erstumsetzung erfolgte 2017. Das Projekt wird vom AMS Kärnten und dem Wirtschaftsministerium (ehemals BMWFW) gefördert.

Die Diakonie de La Tour ist eine der größten Sozialorganisationen im Süden Österreichs mit mehr als 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in rund 90 Einrichtungen in Kärnten, Osttirol und der Steiermark. Wir begleiten, pflegen und fördern Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen, Menschen mit Behinderungen und mit Assistenzbedarf, Kinder, Schülerinnen und Schüler, Menschen mit Erkrankungen und Suchtproblematiken, Menschen im Alter sowie Menschen auf der Flucht. Soziales Engagement, orientiert an christlichen Werten, wird bei uns seit über 145 Jahren gelebt. Die Diakonie de La Tour ist Mitglied der Diakonie Österreich, einem der fünf großen Wohlfahrtsverbände in Österreich.  

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