Mit 18 ganz allein ins Erwachsenenleben starten?

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13.02.2020 | Kind, Jugend & Familie

Mit 18 ganz allein ins Erwachsenenleben starten?

Careleaver sind junge Erwachsene, die einen Teil ihres Lebens in öffentlichen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe verbracht haben und sich am Übergang in ein eigenständiges Leben befinden. Da sie mit 18 (bzw. spätestens 21 Jahren) aus diesen Betreuungseinrichtungen (care) entlassen werden (to leave) nennt man sie Careleaver.

Carina Kofler, Eva Suntinger (Careleaver-Koordinatorinnen)

„Laut Statistik liegt in Österreich das durchschnittliche Alter, in dem junge Erwachsene aus ihrem Elternhaus ausziehen, bei 25,2 Jahren. Das bedeutet, dass junge Erwachsene, die nicht in ihren Familien aufwachsen können und sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, vier bis sieben Jahre früher in ein eigenständiges Leben entlassen werden“, erklärt die Careleaver-Koordinatorin der Diakonie de La Tour Carina Kofler. „Im Gegensatz zu Kindern die in ihren Herkunftsfamilien aufwachsen, verfügen viele dieser jungen Erwachsenen kaum über stabile private Netzwerke, wie beispielsweise eine Familie oder einen unterstützenden Freundeskreis. Dennoch wird von ihnen erwartet, mit Eintritt der Volljährigkeit selbstständig zu leben“, führt ihre Kollegin Eva Suntinger weiter aus.

„Viele Probleme treten erst mit dem reellen Eintritt in die Selbstständigkeit auf. Diese Hürden können oftmals im Vorhinein nicht ausreichend besprochen, der Umgang damit trainiert und gefestigt werden“, erklärt Eva Suntinger. „Fehlt dann eine zuverlässige Bezugsperson, die den jungen Menschen bei der Klärung dieser Alltagsprobleme und Themen unterstützt, so können diese rasch zu existenziellen Fragen werden. Das wiederum bedeutet oft, dass diese jungen Menschen weder über eine dringend erforderliche Alltagsstruktur noch über ein ausreichendes regelmäßiges Einkommen verfügen. Dadurch werden eigenständiges Wohnen und ein unbelastetes selbstständiges Leben erschwert und teilweise unmöglich gemacht.“

Die beiden Careleaver-Koordinatorinnen sind sich sicher: „Damit die Jugendlichen den Übergang ins selbstständige Erwachsenenleben erfolgreich meistern können, müssen sie sich früh ein Netzwerk aufbauen, sie müssen positive Bindungen schaffen und Sozialkompetenz entwickeln, sonst verlieren sie mit dem Tag des Auszugs alles.“

Auf die Frage, was Careleaver dringend benötigen, antwortet Carina Kofler: „Eine Unterstützung durch die eigene Familie kann niemand ersetzen. Aber es braucht ein Netzwerk, auf das die Careleaver zurückgreifen können und das im Bedarfsfall helfend zur Seite steht. Das heißt, es braucht eine fixe Anlaufstelle, die ihnen unbürokratisch und kostenlos zugänglich ist, um ihnen den Eintritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern. Speziell für diese Zielgruppe und deren Bedürfnisse gibt es bis dato noch keine öffentliche Unterstützung. Eine adäquate Anlaufstelle müsste einerseits Beziehung, durch frühzeitiges Anknüpfen an die Institutionen, anbieten können und auch fachlich geschult für die gesellschaftliche Sonderstellung der Gruppe Careleaver sein. “


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