Ich werde ein (glücklicher) Mann …

Schreibende Hand
25.08.2020 | Flucht & Inklusion

Ich werde ein (glücklicher) Mann …

Wie es ist, im falschen Körper aufzuwachsen, sich niemandem anvertrauen zu können, weil es die eigene Kultur strikt ablehnt, weiß Taha Mohammadi. Durch seine Flucht nach Österreich kann der junge Afghane im zweifachen Sinn ein neues Leben beginnen.

Photo by Chris Johnson on Unsplash

Das Leben von Afghanen im Iran steht für Armut, Ausbeutung, Rechtlosigkeit und Diskriminierung. In so ein Leben wurde Taha Mohammadi* als Mädchen hineingeboren. Heute, etliche Jahre später, sitzt er uns als junger Mann mit akkurat geschnittenem Haar und enganliegendem T-Shirt in einer Diakonie-Einrichtung gegenüber und schildert leise seine bewegende Geschichte: „Ich wusste schon früh, dass ich anders bin, konnte mir vieles als Kind jedoch nicht erklären“, erzählt Mohammadi.

Mit dem Schuleintritt wuchsen die Probleme. „Es war meine afghanische Herkunft, die nicht akzeptiert wurde, ich wurde deswegen gemobbt und noch viel schlimmer, die Trennung der Klassen in Mädchen und Burschen ab dem neunten Lebensjahr, was für mich auch das Tragen eines Kopftuches bedeutete. Während dieser Zeit hat auch meine einzige Freundin das bestätigt, was ich eigentlich tief in mir schon fühlte, nämlich ein Bub zu sein. Mit der Pubertät wurde mein Leben zur Qual. Ich musste einen harten inneren Kampf zwischen dem Wunsch, ein Mann zu werden und ja nicht aufzufallen, führen“.

Im Iran und Afghanistan gäbe es keine Akzeptanz für Transgender, Geschlechtsumwandlung oder z. B. Homosexualität. Hier werde man beschimpft, erniedrigt und brutal verfolgt, so Mohammadi. Selbst seine Eltern, mit denen er vor einiger Zeit gemeinsam nach Österreich flüchtete, wussten nichts von dem Wunsch ihres Kindes. „Ich habe mich damals in unserem Quartier einer Mitarbeiterin der Diakonie anvertraut“. Dort fand Mohammadi Hilfe und wurde adäquat weitervermittelt. „Es gab etliche Sitzungen über den Verein Courage, bei denen auch meine Eltern eingebunden und über das Thema Geschlechtsumwandlung aufgeklärt und begleitet wurden.“ Ihre Meinung dazu habe sich langsam geändert, so Mohammadi. „Mein Vater denkt hier in Österreich moderner. Obwohl, als er zu Beginn davon erfuhr, dachte er noch, ich hätte eine Krankheit und man könnte vielleicht dieses ‚Problem‘ mit Tabletten lösen.“

Ein Freund habe ihm geraten mich zu schlagen, dann würde ich nicht mehr solche Gedanken haben, erzählt Mohammadi. „Zum Glück gibt es hier in Österreich Gesetze, die mich schützen“. Auch die massiven medizinischen Eingriffe, die ihm bevorstehen, bereiten Mohammadi keine Ängste: „Es kann nicht schwieriger sein, als das, was ich hinter mir habe.“ Er rate jedem in derselben Situation, seine Entscheidung selber zu treffen und sich von niemandem, auch nicht von der Familie, beeinflussen zu lassen. Wie er sich sein Leben in der Zukunft vorstelle: „Ich möchte gerne Friseur werden. Eine Partnerin finden. Heiraten und eine Familie gründen.“
Nichts Ungewöhnliches für einen jungen Mann …

*Name wurde geändert

Photo by Chris Johnson on Unsplash


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