Stürme im Inneren

Diakonie de La Tour Weltautismustag
18.03.2019 | Autismus, Menschen mit Behinderungen

Stürme im Inneren

Autismus ist nicht sichtbar. In der Beratungsstelle für Menschen im Autismus-Spektrum der Diakonie de La Tour in Klagenfurt sitzt uns eine freundliche, hübsche Frau gegenüber. An diesem sonnigen Tag freut sie sich über das warme Wetter. Nur das Licht ist ihr etwas zu grell. „Ich mag die wolkenverhangenen Tage mit gedämpftem Licht lieber“, sagt sie. Sie, das ist Ulrike Ramharter. Mitte 2017 wurde bei ihr das Asperger-Syndrom diagnostiziert.

Diakonie de La Tour Weltautismustag

Die Diagnose kam spät, aber bereits im Kindergarten merkte sie, dass ihr Erleben anders war. Ulrike beschreibt es als ein Zuviel der Wahrnehmung. „In einem Raum voller Leute nehme ich alles wahr. Die Gespräche an anderen Tischen, das Husten, Räuspern, die Hintergrundmusik. Einer schabt vielleicht mit dem Fuß, der nächste schnippst mit den Fingern.“. All diese Geräusche prasseln auf sie ein, völlig durcheinander, ohne jegliches Filtern. Das überfordere sie immens und bringt sie in Situationen der völligen Erschöpfung. Auch bei Autofahrten oder Spaziergängen macht sich dieses Zuviel an Wahrnehmung bemerkbar. „Ich sehe und nehme das gleiche wahr wie jeder andere. Aber ich sehe auch, wie der Wind das Laub am Boden aufwirbelt. Ich sehe nicht nur das Reh am Straßenrand, sondern auch dessen Kopfbewegung. Ich sehe vielleicht einfach detailreicher.“

Viele Menschen können das nicht nachvollziehen, sagen, dass ihnen auch manchmal alles zu viel wird. Der Unterschied zu Menschen im Autismus-Spektrum liegt aber in der Verarbeitung der Reize und den Reaktionen auf Überlastung. Ulrike beschreibt es als Welle, die sie überrollt und innerlich so erschöpft, dass sie lange Zeit nicht leistungsfähig ist. Was diese Welle auslöst, ist bei Asperger-Autisten unterschiedlich, das Spektrum ist breit. „Was aber alle eint, sind die Stürme im Inneren.“ In solchen Momenten flüchtet sie sich nach Hause, zu Ohropax und unter eine Decke, um sich ganz von der Umwelt und ihren Reizen abzuschotten. Früher hatte sie auch andere Kompensationsstrategien, um ihre Wahrnehmung zu dämpfen. Magersucht, Bulimie und Angstzustände waren die Folge.

Seit der Diagnose geht es ihr schrittweise besser. „Es ändert zwar nicht die Wahrnehmung, aber die Art, damit umzugehen. Ich kann jetzt frühzeitig reagieren und aus überfordernden Situationen ausbrechen. Ich kann meinem Umfeld erklären, welche Bedürfnisse ich habe.“ Nicht immer wird Autismus erkannt, da das Spektrum sehr breit ist und Betroffene an den unterschiedlichsten Symptomen leiden. Manche Betroffene sind sozial unauffällig. Andere sind kontaktscheu oder haben Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, sprechen nicht oder sind auf Unterstützung oder sogar Pflege angewiesen. Eine Diagnose ist für eine kompetente Hilfe unerlässlich.

Die Diakonie de La Tour begleitet Menschen im Autismus-Spektrum und bietet eine systematische Beratung. So können die speziellen Problematiken Betroffener frühzeitig erkannt und gemeinsam wirksame Interventionen entwickelt werden.

Mehr zum Thema Autismus: Beratungsstelle für Menschen im Autismus-Spektrum der Diakonie de La Tour


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