Wie ein Film in 10-facher Geschwindigkeit

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27.03.2019 | Autismus

Wie ein Film in 10-facher Geschwindigkeit

Rund 1 Prozent der österreichischen Bevölkerung ist von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen. Ulrike Ramharter ist eine davon. In den „Einblicken“ erzählt sie über Probleme im Alltag und Beruf.

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„Die größten Schwierigkeiten hatte ich, als ich zwei Tage als Verkäuferin gearbeitet habe“. Damals wusste Ulrike noch nicht, dass sie unter einer Störung im Autismus-Spektrum leidet. „Für mich war es ein Job. Aber ich war völlig überfordert: Kundengespräche, Ware nachsortieren, dazwischen die Kasse.“ Auch bei anderen Tätigkeiten ging es nie lange gut. „Im Schnitt habe ich alle 1,5 Jahre die Stelle gewechselt. Vorgesetzte und Kollegen haben natürlich gemerkt, dass mit mir irgendetwas anders war. Nur festmachen konnte es keiner, auch ich nicht“. Trotz abgeschlossenen Studiums der Geoinformatik war sie meist die erste, die gekündigt wurde oder freiwillig ausschied. Anders sein macht eben nicht beliebt.

Selbst alltägliche Dinge wie Einkaufen oder Arztbesuche stellen für Ulrike eine Herausforderung dar. „Wenn ich im Supermarkt an einem Regal vorbei gehe, so ist das wahrscheinlich vergleichbar mit dem Erlebnis, das andere beim Ansehen eines Filmes in 10-facher Geschwindigkeit haben. Das Licht, die vielen Produkte in allen Farben und Formen, die Hintergrundmusik, die vielen Leute - das ist mir einfach zu viel.“

Seit sie nach Ihrer Diagnose die Beratungsstelle für Menschen im Autismus-Spektrum der Diakonie de La Tour in Klagenfurt aufgesucht hat, kann sie zielgerichtet an Lösungen für sich arbeiten. „Ich habe gelernt, damit umzugehen. Beim Arzt bleibe ich nicht im Wartezimmer, sondern warte draußen. Auch das Einkaufen habe ich für mich geregelt und einen Kniefall vor meinen Möglichkeiten gemacht. Ich kaufe zum Teil online, weil ich mir da Wege und Kontakte erspare. Lebensmittel besorge ich einmal wöchentlich bei einem Bauern -  zu Zeiten, wo wenig los ist. Den Rest hole ich einmal im Monat im Supermarkt“. Außerdem hat sie Yoga als optimale Entspannungstechnik für sich entdeckt.

Was noch fehlt, ist ein passender Arbeitsplatz. „Ich bekomme eine Behinderten-Einstufung. Das ist erforderlich, weil ich mich so auf spezielle Jobs bewerben kann und der Arbeitgeber informiert ist. Meine Besonderheiten zu verstecken verursacht sonst massiven Stress“.

Ulrike sagt, ihr liegt das Sich-Konzentrieren. „Wenn ich in etwas drin bin, bin ich sicher ein Drittel schneller als andere. Aber ich mag keine Unterbrechungen, keine Kaffeepausen, weil mich das rausbringt.“ Was sie braucht, ist ein Rahmen, in dem sie sich bewegen kann. „Fixe Arbeitszeiten sind mir sehr wichtig. Heute kann ich sagen, was mit mir los ist. Und dass ich leistungsfähig bin, solange ich ein paar Dinge darf. Mich mittags zurückziehen zum Beispiel.“

Das Erkennen der Qualitäten von Menschen im Autismus-Spektrum wäre ihr wichtig. „Es ist einfach eine alternative Art der Wahrnehmung, die aber auch vieles zu bieten hat. Das Potenzial wird nur noch nicht genützt. Als Krankheit sehe ich meinen Autismus nicht - als Herausforderung schon.“ Was sie sich wünscht ist Akzeptanz. „Dass ich anders sein darf“.

Um auf das Syndrom und damit verbundenen Schwierigkeiten, aber auch Potenziale aufmerksam zu machen, hat die UNO den Welt-Autismus-Tag am 2. April eingeführt. Die Diakonie de La Tour möchte mit einer Aktion am Alten Platz auf die Bedürfnisse von Menschen im Autismus-Spektrum hinweisen.

Wann: 2. April 2019, von 10:00 bis 15:00 Uhr
Wo: Alter Platz Klagenfurt

Mehr Informationen zur Aktion zum Welt-Autismus-Tag 2019


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