Fünf Fragen an die ehrenamtliche Mitarbeiterin …

Fünf Fragen an die ehrenamtliche Mitarbeiterin …

Herta Kircher besucht vier Bewohnerinnen die gemeinsam an einem Tisch sitzen

Spazieren gehen, Karten spielen, Kaffee trinken, zuhören… Herta Kircher, ehemalige Lehrerin und Erzieherin in der Diakonie de La Tour, besucht regelmäßig einige Bewohnerinnen in unseren Häusern Elim und Elvine. Sie gehört zu jenen unverzichtbaren Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und damit dem eigenen und auch dem Alltag anderer, eine neue Qualität schenken.

Was gefällt Ihnen in Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit am meisten?
Dass ich die Freude, die ich im Alltagsleben oft vermisse, im Ehrenamt in großen Mengen wieder bekomme. Einige Bewohner kenne ich seit über 40 Jahren, das sind so wertvolle Beziehungen, wie eine riesengroße Familie. Mir gefällt, dass sie so ganz ohne Falschheit sind. Sie müssten ja nicht lieb sein, sie sind es aber, ohne Hintergedanken.

Was ist das Schwierigste an Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?
Ein Mensch am Ende seines Lebens: wie kann ich damit richtig umgehen? Ich lerne, mich der Aufgabe zu stellen. Die Beziehung wird weniger und weniger… das tut weh.

Wie sieht so ein ehrenamtlicher Alltag aus?
Da ist eine Bewohnerin, mit der gehe ich einmal in der Woche spazieren, eine interessante, sensible Frau. Mit einer anderen ist Schnapsen dran, mit einer gehe ich ins Kaffeehaus. Ihnen allen ist so wichtig, ganz normale Gespräche führen zu können. In den meisten Wochen verbringe ich mehr Zeit hier als geplant, und ich bin froh, dass ich das so machen kann. Ich helfe mit bei Festen und Ausflügen. Es ist schön zu sehen, sie die Leute sich freuen. Ich bekomme viel Wertschätzung von den Pflegedienstleitungen und Mitarbeitenden. Und wo was nicht passt, lässt es sich ausreden.

Warum haben Sie sich für ein ehrenamtliches Engagement in der Diakonie de La Tour entschieden?
Weil es mich berührt hat, wie die „alten Bekannten“ mich begrüßt haben, als ich sie nach langer Zeit wieder einmal getroffen habe. Die Stiftung de La Tour war lange Jahre mein Arbeitgeber. Ich war als Lehrerin und Erzieherin im „Haus Ausblick“. Die Zusammengehörigkeit war gleich wieder spürbar. Ich kann hier im Ehrenamt ausleben, was ich gerne tue. Ich widme mich Dingen, die mich interessieren.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es in der Diakonie de La Tour für ehrenamtlich Mitarbeitende?

Ich lerne immer was Neues. Es kommen neue Aufgaben, mit denen ich mich selbst entwickeln kann. Dass die Kurse der Akademie de La Tour von den Ehrenamtlichen kostenlos besucht werden dürfen, eröffnet viele Entwicklungsmöglichkeiten, bis ins Persönliche hinein. Seit ich den Basiskurs für ehrenamtlichen Besuchsdienst mitgemacht habe, sehe ich das Leben zufriedener. Ich lerne, Dinge, die mich stören und belasten, für mich zu verarbeiten. Es ist entlastend, zu sehen, dass ich nicht für alles zuständig bin, ich brauche mich nicht mehr in alles einzumischen. Ich bin zuständig und verantwortlich für mich, und ich gestehe anderen zu, es für sich selbst ebenfalls zu finden. Als Erzieherin musst du viel vorgeben, das ist als Ehrenamtliche nicht mein Job.