Fünf Fragen an die Sozialraumkoordinatorin ...

Fünf Fragen an die Sozialraumkoordinatorin ...

Bettina Oschgan

Wohnkonzepte der Zukunft, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, brauchen einerseits professionelle Betreuung, andererseits aber auch ein Netz an nachbarschaftlicher Unterstützung. Bettina Oschgan ist Sozialraumkoordinatorin in der Diakonie de La Tour. Als kompetente Schnittstelle  versucht sie auf unterschiedliche  nachbarschaftliche Bedürfnissen gemeinsame Antworten zu finden. Aktuell ist sie mit einem im Entstehen begriffenen Wohnviertel betraut: Dem "Wohnprojekt Viktring", einer Wohnanlage mit 229 Mietwohnungen.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am meisten?
Mir gefällt das breite Aufgabenspektrum und dass es nie langweilig wird. Man ist gefordert, ein soziales und aktives Miteinander unter z.T. komplett unterschiedlichen und anfangs einander fremden Menschen zu gestalten. Das ist manchmal herausfordernd, aber eine sehr schöne Aufgabe, weil sich durch die Begegnungen in der Nachbarschaft viele neue Möglichkeiten für jeden Einzelnen und für die Gemeinschaft auftun: es entstehen neue Freundschaften, lustige Feste, gemeinsame Unternehmungen, interessante Gespräche mit neuen Perspektiven, gegenseitige Hilfeleistungen usw.  Ich liebe es zu beobachten, wie sich nach einiger Zeit aus den vielen „Ichs“ ein „Wir“ entwickelt – das macht sehr viel Freude! 

Was ist das Schwierigste an Ihrem Job?
Wohnen ist ein sehr sensibles Thema. Die private Wohnung ist für die meisten der persönliche und intime Rückzugsort, an dem man in Ruhe und Frieden leben möchte, um für den herausfordernden Alltag Kraft tanken zu können. Wenn man aber NachbarInnen hat, mit denen man sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht versteht, ist das sehr belastend für die betroffenen BewohnerInnen. Hier braucht es einerseits klare Regeln des Zusammenlebens, andererseits viel Fingerspitzengefühl in der Konfliktvermittlung sowie Verständnis für die Situation jedes Einzelnen. Es ist manchmal sehr schwierig, die vielen unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen der BewohnerInnen unter einen Hut zu bringen.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus?
Mein Arbeitsalltag besteht hauptsächlich aus Kommunikation und hat das Ziel, eine aktive und lebendige Nachbarschaft zu ermöglichen, wo die MieterInnen einander kennen und nicht anonym nebeneinander leben. Meine Aufgabe ist es daher, vielfältige Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und die BewohnerInnen miteinander in Kontakt zu bringen. Niemand muss einsam sein, wenn er nicht will! Ich bin in der Wohnhausanlage präsent und suche aktiv das Gespräch um herauszufinden, welche Unterstützung die MieterInnen brauchen und welche Interessen sie haben, um passende Angebote im Gemeinschaftsraum setzen zu können. Diese Angebote müssen dann organisiert, koordiniert und begleitet werden. Gleichzeitig möchte ich die MieterInnen aber auch motivieren, sich selbst aktiv in die Nachbarschaft einzubringen und mit meiner Unterstützung ihre eigenen Ideen umzusetzen. Weitere Aufgaben sind die enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Hausverwaltungen und anderen sozialen Einrichtungen. Und natürlich berate ich die MieterInnen in sozialen Fragen und vermittle bei etwaigen Streitigkeiten in der Nachbarschaft.

Warum haben Sie sich für die Diakonie de La Tour als Arbeitgeber entschieden?
Die Diakonie de La Tour hat in Kärnten im Bereich der Sozialraum- und Quartiersentwicklung eine Vorreiterrolle inne und leistet Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Aufgrund meiner beruflichen Vorerfahrung im Wiener Nachbarschaftsservice wollte ich unbedingt meinen Teil dazu beitragen und bin nun froh, bei der Sozialraum- und Quartiersentwicklung in Kärnten von Anfang an dabei sein zu dürfen. Dass die Diakonie de La Tour einen ausgezeichneten Ruf als sichere und faire Arbeitgeberin genießt, hat der Entscheidung natürlich auch nicht geschadet.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es in der Diakonie de La Tour mit Ihrer Ausbildung? 
Aufgrund der Größe der Diakonie de La Tour mit ihren unterschiedlichsten Aufgabenbereichen, bieten sich zahlreiche interessante Tätigkeitsfelder für SozialarbeiterInnen an. Diverse Weiterbildungsangebote und regelmäßige Mitarbeiter/-innen Gespräche ermöglichen eine ganz individuelle, persönliche und fachliche Weiterentwicklung.