Fünf Fragen an die Sozialarbeiterin …

Fünf Fragen an die Sozialarbeiterin …

Sozialarbeiterin Alexandra Klemen

Eine Jugendnotschlafstelle ist oft der letzte Ausweg für Jugendliche, die sich in Krisensituationen befinden. Alexandra Klemen arbeitet als Sozialarbeiterin in so einer Einrichtung der Diakonie de La Tour. Junge Menschen zwischen 12 und 21 Jahren finden in der Juno Villach einen sicheren Ort, an dem sie etwas essen, sich ausruhen, sich waschen oder einfach nur einmal „durchatmen“ können.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am meisten?

Die Arbeit in der Jugendnotschlafstelle ist spannend und herausfordernd. Ich weiß bei Dienstantritt nie, was mir der Abend bringen wird. Viel Freude macht mir die Arbeit mit den Jugendlichen. Es ist oft nicht gerade einfach, aber ich empfinde den persönlichen Kontakt zu jungen Menschen fast immer als Bereicherung. Besonders schätze ich unser Konzept der Niederschwelligkeit. Es ermöglicht mir, die Jugendlichen einfach so zu nehmen wie sie sind, ohne dass ich sie allzu sehr belehren muss oder zu bestimmten Handlungen anleiten sollte. Die Zusammenarbeit in unserem Team funktioniert ausgezeichnet. Jeder meiner Kolleginnen und Kollegen hat spezifische Fähigkeiten, wir profitieren und lernen voneinander.

Was ist das schwierige an Ihrem Job?

Die Jugendnotschlafstelle ist in der Regel der letzte Ausweg für Jugendliche. Wir können ihnen in schwierigen Zeiten Halt und Unterstützung geben. Aber wir dürfen nicht damit rechnen, dass wir dafür mit Dankbarkeit überschüttet werden. Im Gegenteil, wir sind oft der Prellbock, wir müssen Aggressionen aushalten und dabei immer eine professionelle Haltung bewahren.

Eine andere große Herausforderung ist die Notwendigkeit, eine Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden. Wir sind Vertrauenspersonen, die Jugendlichen suchen auch zwischenmenschliche Wärme und Orientierung. Da ist für mich immer wieder die Versuchung da, in die Mutterrolle zu fallen. Wir wollen unsere Klienten ja nicht „bemuttern“, sie sollen mit unserer Hilfe Selbständigkeit und Eigenverantwortung erlernen.

Schwierig kann der Umgang mit Regelverstößen sein, vor allem wenn es um Gewalt oder Drogen geht. Wenn die Lage eskaliert und ich schalte die Polizei zu früh ein, kann das mühsam aufgebautes Vertrauen zerstören; kommt sie zu spät, ist es meine persönliche Verantwortung.

Außerdem ist es nicht leicht, kleine, bezahlbare Wohnungen zu finden. Da muss sich das Angebot im Sinne der sozial Schwachen verbessern. Als emotional sehr schwierig empfinde ich persönlich es, wenn einer der Jugendlichen 18 wird und damit keinen weiteren Anspruch mehr auf die Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfe hat. Die ganzen Probleme hören ja nicht mit der Volljährigkeit auf einen Schlag auf.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Wir haben die unterschiedlichsten Aufgaben. Das beginnt damit, dass die Jugendlichen ganz einfach eine warme Mahlzeit bekommen sollen, und geht bis zu komplexen Beratungsgesprächen, bei denen wir sie bei Weichenstellungen für ihre Zukunft unterstützen. Wir helfen bei Fragen der Existenzsicherung, wir treten als Vermittler zwischen den Jugendlichen und ihren Angehörigen oder auch Ämtern auf, wir helfen ihnen, Krisensituationen zu bewältigen. Sehr wichtig ist aber auch die soziale Interaktion. Es muss nicht immer ein Grundstein für die Zukunft gelegt oder ein Trauma analysiert werden; einfach an einem Tisch miteinander essen, gemeinsam das Geschirr abwaschen oder sich über irgendetwas unterhalten, eine gewisse Normalität erzeugen – das ist oft wichtiger als alles andere.

Warum haben Sie sich für die Diakonie de La Tour als Arbeitgeber entschieden?

Die Diakonie hat einen sehr guten Ruf, gerade auch als Arbeitgeber. Es ist ein sicherer Arbeitsplatz und das Leitbild „Respektvoll Miteinander“ spricht mich sehr an; ich will ja nicht nur als Arbeitskraft, sondern auch als Mensch wahrgenommen werden. Und die Diakonie unterstützt meine Weiterbildung, intern wie extern, das war für mich auch ein wichtiges Argument.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es in der Diakonie de La Tour mit Ihrer Ausbildung?

Ich bin ja noch nicht so lange dabei. Nach einer langjährigen beruflichen Tätigkeit in der psychiatrischen Pflege habe ich erst im Vorjahr meinen Bachelor in Sozialer Arbeit erworben. Bislang waren wir so sehr mit Aufbau und Start der JUNO Villach beschäftigt, da konnte ich noch keine weitreichenden Pläne wälzen. In jedem Fall möchte ich aber weiterhin mit Jugendlichen arbeiten. Ich strebe also keine Karriere etwa im administrativen Bereich an. Eventuell möchte ich den Master in Suchtberatung und Prävention absolvieren. Die Diakonie würde das unterstützen.