Menschen mit Behinderungen

Klient mit Pflegekraft

Qualitätsstandards im Fachbereich Behindertenhilfe

Zu den Qualitätsstandards im Fachbereich der Behindertenhilfe zählen:

  • Bezugsbetreuersystem
  • Unterstützte Kommunikation (UK)
  • PART-Konzept
  • ICF-Dokumentation

„Bezugsbetreuersystem“

Jeder Klient bekommt  einen persönlichen  Bezugsbetreuer zur Seite gestellt, der für alle seine Angelegenheiten zuständig ist. Er hält den Kontakt zu Angehörigen oder Sachwaltern, kümmert sich um notwendige Anschaffungen, hilft bei der Verwaltung von Geldern und plant gemeinsam mit dem Klienten seine individuellen Entwicklungsziele und Zukunftsperspektiven. Wichtig für die Bezugsbetreuung ist  gegenseitige Sympathie, die den Aufbau einer Vertrauensbeziehung ermöglicht.

 „Unterstützte Kommunikation“

Kommunikation ist die Basis von menschlichen Beziehungen und eine Grundvoraussetzung für Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen. 

Kommunikation ermöglicht:

- das Ausdrücken von Bedürfnissen und Wünschen
- soziale Nähe
- Informationsaustausch
- soziale Routine

Unterstützte Kommunikation umfasst Methoden und Hilfsmittel für Menschen, die aufgrund von angeborenen oder erworbenen Schädigungen lautsprachlich nur unverständlich oder gar nicht kommunizieren können. Sie umfasst ein weitreichendes Methodenspektrum, sowie einfache und technisch hochentwickelte Hilfsmittel, die es ermöglichen, Menschen mit schweren Beeinträchtigungen in Kommunikationsprozesse einzubinden. Mithilfe von Symbolen, Piktogrammen, speziellen Computerprogrammen oder elektronischen Kommunikationsgeräten können diese Menschen befähigt werden, eigenständig oder unabhängiger zu leben und zu arbeiten.

 „PART-Konzept“

Der Begriff „PART“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Professional Assault Response Training“–auf Deutsch: Professionell handeln in Gewaltsituationen.

 Manche Menschen mit Behinderung können in Überforderungssituationen, die durch Ängste, Missverständnisse, mangelnde Bedürfnisbefriedigung oder räumliche Enge entstehen, nicht adäquat reagieren und neigen  zu aggressivem Verhalten oder gewalttätigen Handlungsweisen. 

Die Aufgabe der Betreuenden ist es, in solchen Situationen Sicherheit  für alle Beteiligten herzustellen – und dabei die Würde und die Persönlichkeitsrechte von Klient/-innen, die sich in solchen Ausnahmesituationen befinden, nicht zu verletzen.

Das „PART-Konzept“ befähigt Mitarbeiter/-innen mit Phänomenen wie Aggression und Gewalt professionell -  basierend auf dem Grundsatz der Würde und Sicherheit durch Problemlösung - umzugehen.

Schwerpunkte der „PART“-Ausbildung, die für alle Mitarbeiter/-innen im Bereich Behindertenhilfe verpflichtend ist, sind:

- Stärkung der Selbstsicherheit der MitarbeiterInnen
- Vermittlung von Maßstäben für angemessenes Handeln in Krisensituationen
- Befähigung der MitarbeiterInnen gewalttätige KlientInnen nicht als Gegner, sondern als Menschen in einer Krise zu betrachten
- Vorbeugung von Eskalation durch Sicherheit vermittelndes Auftreten und vorausschauendes Handeln
- Deeskalation durch frühzeitige kompetente Krisenkommunikation
- Vermeidung von Verletzung durch Einsatz effektiver aber schonender Körpertechniken
- Herstellen von Sicherheit in bereits eskalierten Situationen durch den Einsatz von Festhaltetechniken, die sich am Grad der Gefährlichkeit orientieren.

„ICF-Dokumentation“

ICF bedeutet „international classifikation of functioning, disability and health“ – auf Deutsch:

„Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“

Die ICF ist ein biopsychosoziales Klassifikationsmodell der WHO, das es ermöglicht, jeden Menschen  in seiner Gesamtheit zu erfassen-und jede seiner spezifischen Funktionseinschränkungen – aber auch sein Potential an Ressourcen,  haarscharf zu erfassen. Eine wichtige Komponente stellen dabei auch Umweltfaktoren dar, die sich hemmend oder fördernd auf die Entwicklung und Möglichkeiten von Menschen auswirken.

Durch das ICF-Modell wird der Mensch nicht als „mehr oder weniger gut funktionierender Organismus“ betrachtet, sondern als Individuum, das mit Stärken, Schwächen, Problematiken, Ressourcen und Reaktionen auf Umweltfaktoren mehr oder weniger aktiv in die Gesellschaft einbezogen ist.

 Mit einer professionellen individuellen Verhaltensbeschreibung nach ICF wird eine persönliche und klientenzentrierte Entwicklungs- und Förderplanung garantiert.

Durch gezielte Fördereinheiten und Verbesserung von Umweltfaktoren können Personen aktiviert werden, erfahren wesentlich mehr Partizipation in gesellschaftlichen Prozessen und können dadurch eine höhere Lebensqualität erlangen.

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Mag.  Michael  Mellitzer
Mag. Michael Mellitzer

Fachbereichsleiter Menschen mit Behinderungen

+43 (0)463 32303 - 203
michael.mellitzer(at)diakonie-delatour.at
Dipl. -Päd. Sonja Pertl
Dipl. -Päd. Sonja Pertl

Stv. Fachbereichsleitung Menschen mit Behinderungen / Leitung Berufliche Integration

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