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Die Geschichte des Klosters Harbach

Kloster Harbach
Drei große Frauen - ein Ziel. Harbach von 1890 bis 2002

Von 1890 bis 2002 lebten und wirkten die Schwestern vom Guten Hirten, gegründet von Sr. Maria Eufrasia Pelletier, im Schloss bzw. Kloster Harbach.

Maria Baronin Mayerhofer von Grünbühel, Präsidentin des Elisabetinen-Vereins, dessen Mitglieder vorwiegend adelige Damen waren und der sich die Aufgabe gestellt hatte, heranwachsenden Mädchen in persönlicher oder umweltbedingter Not zu helfen, bat die Schwestern 1890 nach Klagenfurt. Am 18. April 1890 erfolgte die Neugründung der Schwestern vom Guten Hirten in Harbach, und bereits am 16. Mai zogen die ersten Jugendlichen ein.

Bis zu ihrem Tod am 12. September 1902 half Maria Baronin Mayerhofer von Grünbühel, den Schwestern und Jugendlichen, wo und wie immer sie konnte. Da der Platz für schutzbedürftige Jugendliche nicht reichte, führten die Schwestern auch ein Externat, eine Tagesstätte, würden wir heute sagen. Nach sieben Jahren, 1897, war der erste Erweiterungsbau vollendet. Ihm folgte 1910 ein Anbau für Schulkinder. Während des Ersten Weltkriegs entstand die Kirche, 1925 ein Kindergarten, verbunden mit einem Schülerhort. 1936 öffnete ein neues Schulhaus die Tore. Die einklassige Volksschule wurde zu einer dreiklassigen erweitert und zusätzlich eine einjährige hauswirtschaftliche Fachschule eröffnet.

Während des Zweiten Weltkriegs beanspruchten die Nationalsozialisten den Neubau für eine Landes-Knabenanstalt. Den Schwestern wurde das erzieherische Wirkungsfeld größtenteils genommen. Nach dem Krieg setzten sie einen mühsamen Neuanfang. Erst 1955 wurden die Räumlichkeiten des Knabenheims den Schwestern für ihren Wirkungsbereich zurückgegeben.

Die Gründerin der Schwestern vom Guten Hirten, Sr. Maria Eufrasia Pelletier (1796 bis 1868), Maria Baronin Mayerhofer von Grünbühel (1835 bis 1902) und die Stifterin von Treffen, Gräfin Elvine de La Tour (1841 bis 1916) lebten partiell zur gleichen Zeit. Nicht nur diese Tatsache verbindet diese großen Frauen. Alle drei sorgten sich um das Wohl von Kindern, die von der Gesellschaft nicht akzeptiert und deshalb ausgegrenzt wurden. Sie waren bereits im 19. Jahrhundert sozialpädagogisch tätig.

Baronin Mayerhofer von Grünbühel hatte ihr Leben der Obsorge für die Ärmsten der Armen, nämlich jenen verlassenen Mädchen verschrieben, die durch die Gesellschaft zu einer nur geduldeten Randgruppe wurden. In ihrer Weitsicht holte sie die Schwestern vom Guten Hirten nach Harbach.

Gräfin Elvine de La Tour eröffnete, nachdem sie 1873 in Russiz bei Görz damit erfolgreich begonnen hatte, in Treffen ein Kinderheim. Sr. Maria Eufrasia Pelletier gründete 1835 die Gemeinschaft der Schwestern vom Guten Hirten in Angers in Frankreich. Die Schwestern betreuten die damals so genannten gefallenen Mädchen und Sünderinnen. Für das 19. Jahrhundert wandte Maria Eufrasia erstaunlich moderne Erziehungsmethoden an. Sie vermittelte den Mädchen Geborgenheit und verbot die bis dahin üblichen Methoden der strengen Zucht, Prügel und Zwangsunterbringung.

Ihrem Wahlspruch gemäß Unsere Liebe muss die ganze Welt umfassen gründete sie bis zu ihrem Lebensende 110 Niederlassungen in allen fünf Erdteilen.

Heute gehören der Kongregation etwa fünftausend Schwestern an. Sie betreuen in fast siebzig Ländern und über sechshundert Niederlassungen Mädchen und Frauen, die von Gewalt, Missachtung und sexueller Ausbeutung betroffen sind, Kinder, die in lebenswidrigen Verhältnissen aufwachsen und unter Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch und anderen Entwicklungsbehinderungen leiden. 112 Jahre führten die Schwestern vom Guten Hirten das Mädchenheim Harbach mit angeschlossenen Schulen und Ausbildungsstätten, bevor sie das Schloss an die Stiftung de La Tour verkauften.

Wie nahe sich die beiden Frauen gestanden sind, ohne sich jemals persönlich gekannt zu haben, zeigt sich darin, dass die Stiftung de La Tour indirekt die über hundertjährige Aufgabe der Schwestern weiterführt. In Harbach werden seit der Übernahme weiterhin in zwei Wohngemeinschaften Mädchen und Jungen betreut und begleitet, in der Sondererziehungsschule und im Sonderhort erfahren Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen individuelle Förderung.

Sr. Maria Eufrasia Pelletier, Maria Baronin Mayerhofer von Grünbühel, und Gräfin Elvine de La Tour - drei Frauen, die die Nöte ihrer Zeit erkannten, aktiv und zukunftsorientiert handelten und die wir in unserer Zeit wohl als Frauen- und Menschenrechtlerinnen im besten Sinn des Wortes bezeichnen würden.